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Vive la Révolution! Die „digitale“ Revolution weitergedacht

Revolutionen sind radikal, haben aber unbestreitbar einen reinigenden Charakter. Wir sprechen aktuell angesichts der neuen technologischen Entwicklungen gerne von einer ‚vierten industriellen Revolution‘ oder der ‚digitalen Revolution‘. Trifft es das oder ist da nicht weit mehr – wenn nicht gar etwas ganz Anderes – das in unserer Gesellschaft vor sich geht?

 

Trotz (oder geraden wegen?) einer zunehmenden Digitalisierung unseres Lebens ist die „Dominanz des Emotionalen“ unübersehbar – das Ende der Jahrzehnte von Ratio, Fakten, der reinen Vernunft. In all den aktuell gehandelten Theorien und Modelle zu neuer Führung, Organisation und Innovation wie auch in den allermeisten Artikeln auf den beruflichen Netzwerken, den Management- und Organisationsmagazinen geht es rund um das ‚D-Wort‘  im Kern stets um Dinge wie Vertrauen, Verantwortung, Kreativität, Konsequenz, Disziplin, Mut – um rein menschliche Werte und emotionale Qualitäten. Oder wie wir die Zukunft meistern und den Sinn in unserem Tun finden. Ganz nebenbei – schon lange wurde nicht mehr in dieser gesellschaftlichen Breite philosophiert, wie heutzutage.

 

„Philosophie sorgt für Orientierung und macht deshalb handlungsfähig“

 

Worin liegt also das Revolutionäre in der Digitalisierung? In der Regel hilft es, sich die Bedeutung eines Begriffes genauer anzusehen. Das Wort ‚Revolution‘ bedeutet im eigentlichen Sinne ‚zurückwälzen‘ (lateinisch: revolutio), das Wiederherstellen eines ursprünglich bestehenden (gesellschaftlichen) Zustandes. Auch wenn wir den Begriff heute fast schon inflationär mit dem rasanten technologischen Fortschritt nach vorne hinaus assoziieren – denn wir beziehen das Wort Revolution auf das Adjektiv ‚digital‘ -, so liegt in Wirklichkeit das Revolutionäre der ‚Wiederherstellung‘ in ganz etwas anderem: Nämlich das Zurückfinden des Menschen zu seinem Selbst. Die Rückkehr zum Menschsein im ursprünglichen Sinne. Die Emotionen, die Kreativität, die Künste, das Soziale, das Miteinander bei individueller Entfaltung, kulminiert nicht zuletzt in der Sinnfrage: Was ist meine Aufgabe in diesem Leben. Keine Kleinigkeiten.

 

Gerade die rasante Zunahme an digitaler Abhängigkeit im Alltag und die am Horizont bereits erkennbaren Szenarien einer weitgehenden Durchdringung unseres Lebens mit digitaler Verhaltenssteuerung (Peking lässt grüßen) erzwingt geradezu die Frage nach dem, was uns definiert und wie wir uns unserer ureigenen Fähigkeiten wieder voll bewusst werden und wie wir diese bestmöglich einsetzen. Nicht zuletzt auch um die Unternehmen, für die wir arbeiten, erfolgreich zu machen.

 

In der französischen Revolution waren der Antrieb gleichfalls rein menschliche Aspekte – Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit. Es ging damals nicht um mehr Geld, mehr Status usw., sondern trotz aller Entbehrungen, um zentrale humanistische Ideale! In der amerikanischen Revolution ging es ebenso um Freiheit, Beendigung der Sklaverei oder Fragen der Selbstbestimmung. Das lässt sich problemlos so weiterführen bis hin zu den Leipziger Montagsdemos. Revolutionen befreiten den Menschen zuallererst von Zwängen, Unfreiheit oder überkommenen Herrschaftsansprüchen.

 

„Die Zeiten von Marktführerschaft als Erfolgsmaßstab neigen sich dem Ende zu“

 

Heute ist es die gefühlte ‚Herrschaft‘, oder zumindest fast schon unvermeidbare Abhängigkeit von den technischen Systemen, die mittlerweile eine viel größere Finanz- und Datenmacht erlangt haben, als es in der gesamten Menschheitsgeschichte für einzelne Potentaten jemals gegeben hat – die Möglichkeit einer lückenlosen Überwachung, der digitalen Vorhersagen menschlichen Verhaltens und einer fast schon unvermeidlichen Dominanz der Algorithmen über die menschliche Intuition – wenn wir nicht wachsam bleiben.

 

Der eigentlich revolutionäre Charakter an der ‚digitalen Revolution‘ ist daher nicht die Technik selbst. Es geht in Wirklichkeit wieder einmal um Liberté (den Erhalt der Unabhängigkeit des Menschen von Systemen), Egalité (dass jeder in der Vernetzung eine wertvolle Kompetenz beiträgt) und Fraternité (dass wir nur gemeinsam in ‚geschwisterlicher‘ Kooperation unsere Probleme lösen können)?

 

Was bedeutet das für Unternehmen? Die Zeiten von Marktführerschaft oder stetem Wachstum als alleinige Erfolgsdefinition neigen sich dem Ende zu. Innovationen am Fließband als alleinige Heilsbringer werden auch nicht reichen. Unternehmen dürfen daher nicht nur versuchen die (sog.) digitale ‚Revolution‘ zu überleben, indem sie sich technologisch oder organisatorisch anpassen. Sie müssen die nächste Umwälzung mit auslösen, ermöglichen und im positiven Sinne befeuern, die globalen Probleme in den Griff zu bekommen. Im Grunde heute mit definieren, wie unser Wirtschaftssystem der Zukunft aussehen soll.

 

Unternehmen, die sich diese Dynamik zu eigen machen und Wirtschaften als gemeinschaftlichen Akt der ganzheitlichen Wertschöpfung anstreben, sind die wahre Revolution!